Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz nehmen seit Greta Thunberg einen enormen gesellschaftlichen und politischen Stellenwert ein. Neben der digitalen Transformation wird nachhaltiges Handeln und insbesondere der Klimawandel als die größte Herausforderung unserer Zeit angesehen. Der Tenor ist eindeutig: Alle müssen etwas tun und zwar jetzt.

Doch die Diskussionen werden oftmals sehr emotional geführt, ein sachlicher Austausch von Argumenten ist kaum möglich. Dabei würde er dem Thema sehr gut tun.

Hier können Verbände einen wertvollen Beitrag leisten, indem sie sachlich Zahlen, Daten und Fakten einbringen. Denn eine Meinungsbildung, was tatsächlich nachhaltig ist, braucht diese Grundlagen dringend.

Als Interessenvertreter bewegt man sich dabei aber auf keinem einfachen Parkett. Und schon gar nicht in den Sozialen Medien. Aber dieses wichtige Thema geht uns alle an und macht eine ernsthafte Auseinandersetzung umso notwendiger. Es ist wünschenswert, dass Verbände als Sprachrohr von Branchen oder Gruppen hier ihren Beitrag leisten und sie sich nicht vor der Diskussion scheuen. Auch wenn die eigene Branche mitten im Kreuzfeuer steht. Denn gewinnt die Umwelt wirklich, wenn wir unsere Industrie durch hohe Energiekosten schwächen und diese Produkte künftig aus dem Ausland bezogen werden müssen, wo keine Reglementierungen bestehen?

Nachhaltigkeit sollte ganzheitlich begriffen werden, unter dem Strich muss das Resultat stimmen. Und dazu muss man  Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Dabei sind Verbände immer ein Teil von verknüpften, sich überschneidenden Systemen, deren Handlungen  Auswirkungen auf das nahe und entfernte Umfeld haben.

 

DGVM-Mitgliedsverbände zum Thema Nachhaltigkeit:

Für uns als Biotech-Industrieverband ist es selbstverständlich, dass der Umgang mit Klimawandel und Energiewende eine große Herausforderung darstellt. Mit Biotechnologie werden wir den Weg zu einer echten Kreislaufwirtschaft ebnen, die vom Verbrauch der Ressourcen zum echten Wiederverwenden umsteuert. Unsere Mitglieder sind Treiber der Transformation in eine nachhaltige biobasierte Wirtschaft, die Bioökonomie.
Dr. Viola Bronsema, BIO Deutschland e.V.
Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen geschäftlicher Mobilität in Deutschland mitzugestalten und zum Positiven zu verändern. Denn von einer zuverlässigen, leistungsfähigen und klimafreundlichen Verkehrsinfrastruktur in Deutschland profitieren am Ende nicht nur Unternehmen, sondern alle Menschen,
Hans-Ingo Biehl, Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR)
Die aktuelle politische Fokussierung auf nationaler und europäischer Ebene auf die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind eine Steilvorlage für die deutsche Möbelindustrie. Herstellung Made in Germany und die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffe Holz helfen uns, für diesen gesellschaftlichen Trend nachprüfbar glaubhafte Angebote bereitzustellen.
Jan Kurth, Verband der deutschen Möbelindustrie e.V.
Die Bewältigung der Zukunftsherausforderungen wie z.B. beim Klimaschutz wird nur mit der Innovations- und Transformationskraft der Marktwirtschaft und des Wettbewerbs gelingen. Diese Möglichkeiten müssen wir als Verbände der Politik und der Öffentlichkeit stärker vermitteln und den Umbau unserer Wirtschaft und Gesellschaft aktiv mitgestalten.
Dr, Sabine Eichner, Deutsches Tiefkühlinstitut e.V.
Wasser, und damit auch Mineral- und Heilwasser, wird wegen der Ressourcen, des Klimawandels und der Umweltbelastungen mehr denn je hinterfragt. Gerade im Bereich des gesellschaftlichen Diskurses und der politischen Positionierung gilt es, offensiv mit den damit verbundenen Fragestellungen umzugehen. Der Handelsverband für Heil- und mineralwasser empfindet das nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung und Chance.
Peter Hahn, Handelsverband für Heil- und Mineralwasser e.V.
Der Kampf gegen den Klimawandel ist bei der AGEV bereits seit 2006 Thema von Projekten und Kampagnen gewesen, als wir den Begriff „Greentech“ prägten und effiziente Rechenzentren vorstellten. Es war ein viele Jahre von Unverständnis gesäumter Weg, der endlich Wertschätzung erfährt und jetzt von vielen Unterstützern mitgegangen wird.
Franz J. Grömping, AGEV e.V.
Wir müssen als Verband unsere Mitgliedsbetrieben noch besser dabei unterstützen, ihre bisherigen Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz der Öffentlichkeit besser zu präsentieren. Dazu braucht es Kampagnen, diese möchten wir im neuen Jahr angehen.
Thomas Perzl, Bund der Selbständigen - Gewerbeverband Bayern e. V.

Die Definition von Nachhaltigkeit ist mitnichten so klar, wie man annehmen könnte. Gängig ist die Maxime, die Ressourcen der Erde so zu nutzen, dass auch zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können.

Daraus ergeben sich soziale, ökonomische und ökologische Auswirkungen, die den Verbrauch oder die Schonung von Ressourcen in direkter und indirekter Art und Weise berühren. Diese Effekte sind vielfältiger Natur und teilweise fördern, behindern oder widersprechen sie sich.

Hier können Verbände ansetzen und Aufklärung leisten, Ziele definieren und damit Vorreiter sein, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen und Prioritäten zu setzen und damit der Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen nachkommen.

Im Alltag sind für Verbände verstrickte komplexe Wirkungen die Regel, auch im Kontext der Globalisierung. Wo kann man ansetzen? Mit welchem Verhalten kann der eigene Verband einen tatsächlichen Unterschied machen? Wo gibt es mögliche Allianzen?

Hinzu kommt, dass die Nachhaltigkeits-Debatte inzwischen stark emotionalisiert geführt wird.  Schnellschüsse wie Greenwashings können die Glaubwürdigkeit erschüttern und als Alibi-Handlungen ausgelegt werden.

Wichtig scheint zu sein, dass der Verband seine Einstellung zur Nachhaltigkeit glaubhaft vertritt. Dazu gehört beispielsweise, dass Nachhaltigkeitsaspekte hoch priorisiert und in der Entscheidungsfindung bzw. der verbandlichen Ausrichtung tatsächlich berücksichtigt werden.

Ein Anfang kann für Verbände sicherlich eine Bestandsaufnahme sein. Auch in der eigenen Geschäftsstelle. Wo können bei alltäglichen Aktivitäten, bei Veranstaltungen oder in der Kommunikation nachhaltige Veränderungen vorgenommen werden? Klimaneutrale Reisewege, Recycling-Papier für die Verbandszeitschrift, Energiesparlampen oder die Wahl von nachhaltigen Locations für die Verbandsveranstaltung.

  • VCI, IG BCE und BAVC

    Der Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. (BAVC) haben sich zur gemeinsamen Initiative „Chemie3“ zusammengeschlossen. Sowohl auf einer eigens eingerichteten Website (zur Website), als auch auf Twitter (siehe Foto, zum Feed) und YouTube (zum Channel) präsentieren die Verbände ihre Nachhaltigkeitsinitiative.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Sozialplattform Klimaschutz

    Die Sozialplattfom Klimaschutz wurde vom Paritätischen Wohlfahrtsverband mit ver.di initiierte. Mitzeichner sind neben dem Deutschen Caritasverband der AWO Bundesverband, der Sozialverband Deutschland (SoVD), der Sozialverband VdK Deutschland, der Volkssolidarität Bundesverband sowie der Deutsche Mieterbund. Kern ist ein gemeinsam unterzeichnetes Positionspapier (zum Dokument).

     

  • Verbände des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus

    Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. und der Fachverband  Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Berlin und Brandenburg e. V. setzen sich auf Twitter (zum Feed: Bundesverband GL und FGL Berlin und Brandenburg e. V.) für die Ausweitung von Stadtgrün zur innerstädtischen Klimaverbesserung ein.

    Darüber hinaus leistet die Branche des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus ihren Beitrag für Artenvielfalt, wie in einem YouTube-Video (zum YouTube-Video) erläutert wird:

     

     

  • Lebensmittelverband Deutschland e. V.

    Der Lebensmittelverband Deutschland e. V. zeigt auf seiner Website verschiedene Aktivitäten und Initiativen für Nachhaltigkeit in der Lebensmittelwirtschaft (zu lebensmittelverband.de)

    Auf Twitter (zum Feed) macht der Lebensmittelverband Deutschland e. V. darauf aufmerksam, die Verschwendung von Nahrung zu reduzieren:

     

    Folgender Auszug aus dem Artikel „Regierung will Kampf gegen Lebensmittelabfälle vorantreiben“ der Welt vom 06.11.2019 zeigt das Umsetzungs- bzw. Zielkonflikt-Dilemma, das sich oftmals bei Fragen der Nachhaltigkeit ergibt.

    “Die Lebensmittelwirtschaft unterstützt die Pläne [zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung seitens] der Politik . Es sei aber auch bei Vorschriften darauf zu achten, welche Folgen sie für zusätzliche Abfälle haben könnten. Und Zielkonflikte müssten offen diskutiert werden. «Auf der einen Seite wollen wir zum Schutz der Umwelt Verpackungsmaterial sparen», sagte der Präsident des Lebensmittelverbands Deutschland, Philipp Hengstenberg. «Das Problem ist aber, dass manch unverpackte Lebensmittel nicht so lange haltbar sind wie verpackte.» Grünen-Expertin Renate Künast kritisierte: «Warme Worte und freiwillige Maßnahmen reichen nicht, um die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren.» Nötig seien endlich verbindliche Maßnahmen, die alle Teile der Kette in die Pflicht nehmen. Dazu gehöre ein Anti-Wegwerf-Gesetz für den Handel.”

    Hier, geht es zum vollständigen Artikel auf welt.de.

     

  • Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V.

    Die Industrievereinigung Kuststoffverpackungen e. V. leistet Informationsarbeit – hier auf Twitter (zum Feed) – und ruft dazu auf, Inhalte aus Nachhaltigkeitsperspektive anhand von Fakten zu beleuchten.

    Außerdem engagiert sie sich in verschiedenen Initiativen, die sich für nachhaltige Kunststoff-Lösungen, beispielsweise durch Recycling oder material-sparsame Verpackungsdesigns, einsetzen. Auf der Seite newsroom.kunststoffverpackungen werden Informationen zu den unterschiedlichen Engagements gegeben:

     

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Die Allianz für Entwicklung und Klima ist ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (giz) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ziel ist es, Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu gewinnen. CO2 soll über die gesetzlichen Anforderungen hinaus freiwillig vermieden, reduziert und kompensiert werden, um die Klimaziele der Agenda 2030 zu realisieren. Kompensation gelingt vor allem mit Hilfe von hochwertigen Klimazertifikaten, die nachhaltig CO2-reduzierende Projekte in Schwellen- und Entwicklungsländern fördern. Dabei wird auch darauf geachtet, dass die Maßnahmen positiven Einfluss auf die Lebensbedingungen vor Ort haben. Auf der Website allianz-entwicklung-klima.de wird einerseits die Möglichkeit gegeben, bereits bestehende Projekte zu unterstützen oder neue Projekte zu entwickeln und umzusetzen.

Auf der umfassenden Liste der Unterstützer finden sich neben Unternehmen auch viele Verbände, wie beispielsweise der Automobil-Club Verkehr (ACV), der Bund Katholischer Unternehmer, der Deutsche Caritas Verband, Fairtrade Deutschland und der Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure.

Hier gelangen Sie für weitere Infos zur Website der Allianz für Entwicklung und Klima.

 

 

Wolfgang Saam vom Verband Klimaschutz Unternehmen e. V. gibt in seinem Beitrag “KLIMASCHUTZ: NEUE IDEEN FÜR VERBÄNDE” (erschienen im Verbändereport 02/2020) verschiedene Impulse für Nachhaltigkeit in Verbänden.

Klimaschutz ist ein Megathema der nächsten Jahrzehnte und mit weitreichenden Transformationsprozessen in Wirtschaft und Gesellschaft verbunden. Verbände sind je nach Branche unterschiedlich von dem Thema betroffen. Unabhängig davon stellt sich für jeden Verband die praktische Frage, wie man das Thema Klimaschutz in Richtung seiner Mitglieder kommuniziert und welche neuen Angebote man als Verband zum Klimaschutz entwickeln kann.

  • Klimaschutz als Megatrend

    Klimaschutz ist einer der großen Megatrends unserer Zeit und eine fundamentale Aufgabe der nächsten Dekaden. Von der jungen Generation ausgehend setzt sich der Handlungsdruck zum Erhalt unserer Lebensgrundlage auf der Erde zunehmend durch und die Dringlichkeit wird von Forschung respektive Natur bestätigt. Wissenschaftler warnen, dass sich Atmosphäre und Ökosysteme wandeln und Schaden nehmen.

    Ein Blick zum Nordpol oder das Absterben der Korallenriffe zeigen, wie schnell Ökosysteme durch den Klimawandel gestört werden können. Neben den bereits erfahrbaren Auswirkungen haben der Klimawandel und die mit ihm zusammenhängenden gesellschaftlichen Debatten auch die Spielregeln in Wirtschaft und Politik verändert: Internationale Konzern-Chefs wie Siemens-CEO Joe Kaeser sehen sich intensiver gesellschaftlicher Beobachtung ausgesetzt, welche Klimafolgen ihre Geschäftsentscheidungen haben, und nehmen diese Aspekte in ihre Entscheidungsmatrix auf. Diese Entwicklungen werden auch von Verbänden intensiv wahrgenommen, da sie vor der Frage stehen, wie man bestehende Aktivitäten der ökologischen Nachhaltigkeit ausweiten oder das Klima-Thema erstmals in seine verbandlichen Aktivitäten integrieren kann.

  • Wie steht’s mit dem Klimaschutz in Verbänden?

    Klimaschutz ist für eine ganze Reihe von Verbänden kein neues Thema. Verbände, für deren Mitglieder Energie von strategischer Bedeutung ist oder deren Unternehmen Technologiehersteller sind, haben den Klimaschutz seit Langem auf dem Schirm. Die Art, wie man das Thema in der jeweiligen Verbandsorganisation ausgestaltet, ist dabei so vielfältig wie die Motivlage der einzelnen Verbände: Einige Verbände gründen beispielsweise themenspezifische Interessenvertretungen und reagieren damit auf die Sorgen ihrer Mitglieder bezogen auf steigende Energiepreise oder neue Energiegesetzgebungen.

    Andere reagieren auf derartige Entwicklungen, indem sie ihre Mitglieder bei betriebspraktischen Veränderungen zugunsten einer besseren ökologischen Performance unterstützen – mit positiven Nebeneffekten für das Image der gesamten Branche. Verbände, deren Mitglieder die technologischen Lösungen für Energieeffizienz und die Energiewende herstellen, bündeln oftmals ihr Know-how und stehen als Experten des Themas bei Branchenleitmessen oder im Kontext von exportfördernden Instrumenten zur Verfügung.

    Auch für endverbraucherorientierte Verbände gewann der Klimaschutz an Bedeutung, als er in der Mitte der Gesellschaft angekommen war und sich ein wachsender Trend zu verantwortungsvollen Konsumprodukten bei Verbrauchern zeigte.

    Schon in den 1980er-Jahren gab es die Gründung erster Verbände, die sich explizit dem Umweltschutz widmeten, wobei eine starke Dynamik in der verbandlichen Organisation mit Klimaschutzbezug insbesondere ab 2009 festzustellen ist. In diesen Zeitraum fällt auch die Gründung der Organisation Klimaschutz-Unternehmen e. V.

    Dabei darf man jedoch nicht übersehen, dass für die Mehrheit der Verbände, ganz gleich ob Branchen-, Wirtschafts- berufsständische oder Sozialverbände, die Themen ökologische Nachhaltigkeit und Klimaschutz nicht von strategischer Bedeutung sind und sich dem normalen Prioritätenwettbewerb stellen müssen.

    War es das also für den Klimaschutz in Verbänden? Ein klares Nein. Hat das Thema Potenzial, verstärkt von Verbänden/Institutionen aufgegriffen zu werden? Ein klares Ja – und das aus einem einfachen Grund: Klimaschutz ist ein Gewinner-Thema, es lässt sich in die Praxis übersetzen und bietet Verbänden damit zahlreiche Chancen.

  • Klimaschutz als Verbandsaktion

    Klimaschutz kann ein Thema sein, das von Verbänden für neue Aktionen oder projektartig aufgegriffen und mit Verbandsveranstaltungen und Mitgliederaktionen verbunden werden kann. In Arbeitskreisen oder auf Mitgliederversammlungen können hierfür gemeinsam Ideen entwickelt werden, was für den Verband, seine Mitglieder und die Zielgruppen der Verbandsarbeit sinnvoll ist. Ein passender Aufhänger für einmalige oder projektartige Aktionen hilft, das Thema kommunikativ zu begleiten – dafür gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten: Der Tag der jährlichen Earth Hour, die Woche der Nachhaltigkeit der Vereinten Nationen, der sog. „Earth Overshot Day“, der Tag des Baumes oder der Zeitraum der jährlichen UN-Weltklimakonferenz bieten Möglichkeiten, die Bandbreite von Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit bis hin zu Energie- oder CO2-Einsparmöglichkeiten zielgruppengenau auszuspielen. Doch welche Formate sind hier für Verbände Erfolg versprechend und mit überschaubarem Aufwand durchführbar? Einige Beispiele aus unserer eigenen Praxis bei Klimaschutz-Unternehmen e.V. und weiteren verbandlichen Organisationen sollen im Folgenden als Inspiration dienen.

  • Aktionswoche

    Klimaschutz-Unternehmen e. V hat die jährliche UN-Weltklimakonferenz seit 2017 zum Anlass genommen, eine Aktionswoche zum betrieblichen Klimaschutz mit den Mitgliedsunternehmen durchzuführen. Unser Verband stellte seinen Mitgliedsunternehmen ein digitales Klimaquiz zur Verfügung, das mit attraktiven Gewinnen versehen war. Das Klimaquiz wurde über Newsletter und Social-Media-Kanäle an Mitarbeiter, Kunden und Stakeholder herangetragen und war der Kick-off der Aktionswoche. Unterstützt durch weitere Kommunikations- und Marketingmaßnahmen des Verbandes führten eine Vielzahl an Klimaschutz-Unternehmen Aktionen im Betrieb durch, von speziellen Angeboten in den Kantinen über Energiespartipps für Mitarbeiter bis hin zu Betriebsführungen im produzierenden Gewerbe. Einige Mitgliedsunternehmen führten sogar Großaktionen im Bereich der nachhaltigen Mobilität durch. Phoenix Contact, weltweit tätiger Elektrotechnik- Hersteller aus Blomberg, richtete einen Tag der Elektromobilität aus, der mit einem attraktiven Rahmenprogramm sowie Testfahrt-Möglichkeiten 800 Mitarbeitende am Wochenende auf das Betriebsgelände lockte. (Youtube-Video: https://t1p.de/7zzm)

    Prof. Dr. Olesch, Geschäftsführer Personal bei Phoenix Contact, meint: „Unser Tag der Elektromobilität, der im Kontext der Aktionswoche der Klimaschutz-Unternehmen ausgerichtet wurde, war ein voller Erfolg und ist lebhaftes Beispiel unseres Engagements für eine nachhaltige Zukunft. Klimaschutz-Unternehmen e. V. bietet uns hierfür zahlreiche Impulse.“

    Die Aktionswoche samt Klimaquiz wurde im Rahmen des Förderprojekts „Klimaschutz gewinnt“ der Nationalen Klimaschutzinitiative entwickelt und seit 2017 durchgeführt. Sie war von Beginn an auch dazu gedacht, weiteren Interessenten aus Verbänden zugänglich zu sein. Verbände, die das Klimaquiz anlässlich der UN-Weltklimakonferenz 2020 für eigene Aktionen nutzen möchten, sind eingeladen, sich bei uns zu melden.

    Solche auf die konkrete Unternehmenspraxis bezogenen Aktionen für Klimaschutz wirken für Mitglieder motivierend, erleichtern einen einfachen Einstieg in das Thema im Sinne eines „Plug-in-and-Play“ und werden letzten Endes als erweiterter Punkt im Serviceangebot des Verbands wahrgenommen. Das wachsende Interesse, aber auch die dazugehörige Skepsis rund um die Elektromobilität ist von Kammern und Verbänden in dieser Weise aufgegriffen worden: So bietet die IHK Aachen in Mobilitätstestwochen die komplette Bandbreite der Elektromobilität zum Ausprobieren – ein Modell, das durchaus als Blaupause für Branchen-, Berufs- und Sozialverbände taugt. Als Opt-In-Angebot werden solche Angebote selbst bei denjenigen Mitgliedern, die nicht teilnehmen können, als interessanter Punkt im Verbandsportfolio wahrgenommen und ermöglichen es den teilnehmenden Mitgliedern ihrerseits, sich als Akteur zu präsentieren, der den gesellschaftlichen Kontext aktiv gestaltet.

  • Energieeffizienz: Netzwerke und Brancheninitiativen

    Eine Vielzahl von Verbänden hat sich an der von der Bundesregierung 2014 angestoßenen Aktion „Initiative Energieeffizienz-Netzwerke“ beteiligt, die bundesweit 500 Netzwerke als Zielmarke ausgegeben hat (www.effizienznetzwerke.de). Die Netzwerke basieren auf der nachgewiesenen Praxiserfahrung, dass sich im strukturierten Austausch Effizienzpotenziale besser heben lassen und damit Prozesse optimiert und Energiekosten für Firmen gesenkt werden können. In den Energieeffizienznetzwerken arbeiten Kammern, Energieversorger, Verbände und kommunale Klimaagenturen in koordinierender Funktion mit, wobei Verbände des produzierenden Gewerbes deutlich überrepräsentiert sind.

    Einige Verbände starten auch eigene Nachhaltigkeitsinitiativen, wie z. B. der Verband der chemischen Industrie (VCI), der mit Chemie eine Nachhaltigkeitsinitiative aufgebaut hat. Barbara Eschke von Worlée-Chemie, ein Mitgliedsunternehmen des VCI, berichtet von ihrer Erfahrung mit dem Nachhaltigkeitscheck, der durch die Initiative zur Verfügung gestellt wird: „Die Durchführung des Chemie-Nachhaltigkeitschecks im Jahr 2014 war für uns die Initialzündung, die Leistungen aus den drei Säulen der Nachhaltigkeit aus den verschiedenen Unternehmensbereichen zu bündeln und unsere Nachhaltigkeitsperformance systematisch weiterzuentwickeln. Die Initiative unterstützt uns seitdem hervorragend in unserer Arbeit.“

    Erneuerbare Energien durch einkaufsgemeinschaften stärken Energieeinkaufsgemeinschaften sind für Verbände ein geeignetes Instrument, um die Verhandlungsposition ihrer Mitglieder bei der Energiebeschaffung zu stärken und für die beteiligten Unternehmen günstigere und langfristig stabile Preise für Strom und Gas auszuhandeln. Interessant sind Energieeinkaufsgemeinschaften insbesondere für Verbände, die viele Mitglieder mit relativ kleiner Betriebsgröße haben, da hier der Serviceeffekt durch die Nachfragebündelung besonders stark zum Tragen kommt. Über den Rahmenvertrag mit dem Energiepartner erhalten Verbandsmitglieder bessere Vertragsbedingungen, Sonderkonditionen und können in Full-Service-Modellen auch Markt- und Analysedaten sowie das gesamte Energiebeschaffungsmanagement mit Rechnungsprüfung und Fristenkontrolle dem Energiepartner übergeben.

    Denkt man dieses Modell über die reinen Preis- und Serviceeffekte hinaus, sind Energieeinkaufsgemeinschaften auch ein probates Mittel für Verbände, um einen positiven Einfluss auf den deutschen Energiemix auszuüben. Zum einen schon durch die Auswahl eines Energiepartners mit starkem regenerativen Profil oder zum anderen durch explizite Vorgaben zu Art und Umfang von erneuerbaren Energien im eingekauften Strom.

  • Veranstaltungsorga: Wo ist die grüne Stellschraube?

    Verbände richten eine Vielzahl von Veranstaltungen aus: Was läge also näher, als hier den grünen Schraubenschlüssel anzusetzen und an der Nachhaltigkeits-Stellschraube zu drehen? Bereits in der Konzeption der Veranstaltung kann man einschlägige Leitfäden konsultieren oder direkt spezialisierte Agenturen anfragen. Die Verköstigung ist traditionell ein sensibles Thema, denn bekanntlich gehen die Geschmäcker auseinander, aber warum nicht den Versuch wagen, traditionelle Roastbeef-Fans charmant dafür zu begeistern, dass die Ökobilanz von Geflügel wesentlich besser ist und dass vegetarische Gerichte keineswegs etwas mit Genussverzicht zu tun haben? Essen im Freien ist schön, doch Heizpilze können grundsätzlich kritisch auf ihre Notwendigkeit hinterfragt werden – ein besseres Sinnbild von Energieverschwendung und Ineffizienz findet man schließlich kaum.

    Im Reiseverhalten der Teilnehmer steckt bei klassischen Verbandsveranstaltungen oftmals der größte „CO2-Fußabdruck“. Welche Möglichkeiten gibt es hier, sich klimafreundlich aufzustellen? Schon die Wahl des Veranstaltungsorts hat entscheidenden Einfluss, vor allem in der Frage, ob eine Anreise mit dem Zug möglich ist. Steht der Ort der Veranstaltung fest, kann in der Einladung auf eine klimafreundliche Anreise hingewiesen werden und die Art der Anreise und Unterbringung für die Berechnung des gesamten CO2-Fußabdrucks erfasst werden. Ab einer gewissen Veranstaltungsgröße kann bei der Deutschen Bahn ein „Veranstaltungsticket“ für Teilnehmer vereinbart werden, das mit günstigen Konditionen weitere Anreize zur Nutzung der Bahn liefert. Für die verbliebenen Gesamtemissionen der Veranstaltung kann dann Kompensation eine Möglichkeit sein, um den Kongress klimaneutral zu stellen. Ein genauer Blick auf die Standards und Wertigkeit der Kompensation wäre wichtig, denn nicht jedes günstige Zertifikat erfüllt auch seinen Zweck. Kompensation über Baumpflanzaktionen sind eine beliebte Sache, da sie das Thema greifbar machen und den Gemeinschaftssinn im Verband stärken. Unser Verband kompensierte die CO2-Emissionen seiner Veranstaltung zum 10-jährigen Jubiläum mit der Organisation „Plant for the Planet“ und pflanzte Bäume am Berliner EUREF-Campus, der als Innovationsschmiede und Schaufenster für grüne Technologien in Berlin Maßstäbe gesetzt hat.

  • Bäume pflanzen als Branchenaktion

    Auch bei der inhaltlichen Organisation einer Verbandsveranstaltung lassen sich Aspekte von Klimaschutz und gesellschaftlicher Verantwortung aufgreifen und als gemeinsame Aktion durchführen. So startete der Bundesverband Direktvertrieb Deutschland e. V. (BDD) auf seinem Branchenkongress im Oktober 2019 eine Baumpflanzaktion. Gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen konnten innerhalb von fünf Monaten bereits 78.000 Bäume gesammelt werden. Jochen Clausnitzer, Geschäftsführer des BDD, erläutert den Hintergrund und die Durchführung der Aktion „Bäume Durch Direktvertrieb“: „Wir möchten den Zusammenhalt unserer Branche demonstrieren und zeigen, dass es sehr einfach sein kann, etwas für den Klimaschutz zu tun. Das Schöne an der Aktion ist, dass jedes Unternehmen seinen individuellen Weg finden kann, sich daran zu beteiligen. So sind wir sofort auf viel Begeisterung gestoßen. Auf unserem Verbandskongress waren die Mitglieder eingeladen, sich persönliche Ziele zu setzen und diese offiziell zu verkünden. Wir werden alle gespendeten Bäume am 25. April 2020, dem Tag des Baumes, symbolisch an Plant-for-the-Planet übergeben, die im Anschluss die Pflanzung übernehmen.“

  • Nachhaltige Wirksamkeit mit Umweltmanagementsystemen

    Eine der nachhaltigsten Wirkungen, wie in Verbänden eine ökologische Entwicklung befördert und das Klima geschützt werden kann, ist die Einführung von Umweltmanagementsystemen. Seit Mitte der 90er-Jahre hat sich das europäische Umwelt-Audit-System EMAS (Eco Management and Audit Scheme) als effektives Instrument des Umweltmanagements etabliert, Es basiert auf der Idee, über die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen hinaus die eigene Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern. Bestandsaufnahme, Programm und turnusmäßiger Soll-Ist-Vergleich gehören zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP), durch den dieser Prozess gewährleistet wird.

    Eine interessante Option bilden Umweltmanagementsysteme wie EMAS oder die ISO-Norm für Umweltmanagement 14.001 für diejenigen Verbände, die neben der eigenen Geschäftsstelle über Zweckbetriebe, Beteiligungen oder verbandsnahe Unternehmungen Einfluss auf Organisationen ausüben können, die nennenswerte Energieverbräuche und ökologische Fußabdrücke aufweisen. Das ist zum Beispiel für Sozialverbände relevant, die über ihre Sozial- und Gesundheitsunternehmen Impulse mit großer Multiplikatorwirkung in ihre Strukturen geben können.

  • Aktivitäten in der Geschäftsstelle

    Doch auch Verbände, die im Wesentlichen nur über die Struktur einer überschaubaren Geschäftsstelle mit weniger als sechs Mitarbeitern verfügen, können etwas für den Klimaschutz tun: Zwar sind sie im Regelfall Mieter in einer Immobilie und verfügen über keinen nennenswerten Fuhrpark oder eine Kantine. Aber Stellschrauben, an denen man für den Klimaschutz drehen kann, gibt es dennoch zahlreiche. Der Grundgedanke von Umweltmanagementsystemen lässt sich auch für kleinere Strukturen adaptiert aufgreifen, etwa indem Fragen der nachhaltigen Geschäftsprozesse jedes Quartal oder Halbjahr in einer gesonderten Besprechung thematisiert werden. Hier gibt es die Möglichkeit, auch die persönliche Motivation und den Ideenreichtum vieler Mitarbeiter zu nutzen, schließlich sind die zu behandelnden Themen recht nah am privaten Alltag. Eine Skizze möglicher Handlungsfelder:

    1. IT und Elektrogeräte

    IT-Infrastruktur, Datenhosting, Elektrogeräte und stromführende Versorgungssysteme einem Erst-Check zur Energieeffizienz unterziehen und eine Prioritätenliste nach Einsparpotenzial und Risiko für Kernprozesse des Verbandes erstellen.

    2. Beschaffung

    Auf Ökostrom umstellen und seine Qualitätskriterien genau beachten. Wichtiges Kriterium ist, dass der Anbieter nennenswert in den Zubau neuer Anlagen erneuerbarer Energien investiert. Weitere Beschaffungsthemen gehen auch in Ressourcenfragen (Papier, Reinigungsmaterial u. a.), betreffen aber auch die Standards, nach denen Druckaufträge vergeben werden (FSC-Papier, klimaneutraler Druck  u. a.). Am Markt gibt es darauf spezialisierte Unternehmen. Eine Einfache Maßnahme ist auch die Einführung von Trinkwassersprudlern für Mitarbeiter und Kunden.

    3. Anlagevermögen

    Bei nennenswertem Finanzanlagevermögen gibt es die Möglichkeit, mit dem aktuellen Finanzdienstleister ins Gespräch zu gehen, inwieweit ökologische Standards überhaupt in der Anlagestrategie berücksichtigt werden. Alternativen am Markt existieren grundsätzlich, selbst im Privatkundenbereich sind Banken mit explizit ökologisch-sozialem Profil mittlerweile recht verbreitet.

    4. Reiseverhalten

    Videokonferenzen sind echte Alternativen und sparen nicht nur CO2, sondern vor allem auch kostbare Arbeitszeit. Die Dienstreiserichtlinie kann einem Check unterzogen werden, ob die Wahl klimafreundlicher Reisemittel des ÖPNV prioritär geregelt ist. Bei der Auswahl der Hotels sollte es in den meisten Zielregionen kein Problem sein, Anbieter mit nachhaltigem Profil zu finden.

  • Klimaschutz in Verbänden – Quo vadis?

    Insgesamt gibt es viel Potenzial, das Thema Klimaschutz in Verbänden proaktiv zu entwickeln. Wichtig ist, überhaupt anzufangen und diesen Bereich gemeinschaftlich mit allen verbandlichen Akteuren voranzutreiben. Je konkreter der Ansatz ist und je mehr praktische Relevanz er für Mitglieder sowie Zielgruppen hat, desto höher sind die Erfolgsaussichten und die Freude aller Mitwirkenden an diesen Projekten.

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Weitere Infos zum Autor und zum Beitrag:

Klimaschutz: Neue Ideen für Verbände

Wolfgang Saam

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